Und das auch nur, weil ich heute den ganzen Tag frei habe und somit mal wieder die Motivation aufbringen kann, alles zusammenzuschreiben was so los was (ohja, stellt euch auf was langes ein!)
| Ich wohne da unten :-) |
Jetzt wundert ihr euch vermutlich, warum Lisa genau an einem Montag nicht arbeiten muss…. tja, es ist mal wieder Huelga, schon die 2. in einem Monat, dieses Mal allerdings auf Nationalebene (und nicht wie sonst nur in Salcedo). Eigentlich sollte es eine friedliche sein, also nur ein Arbeitsstreik, wie man es ja auch aus Deutschland kennt, aber in Salcedo artet es immer irgendwie aus.
Sie – wer genau ist mir immer noch unklar, weil ich bis jetzt noch keine Person getroffen habe, die gesagt hätte „yeah, lass mal Huelga machen“ (was natürlich auch einfach nur zeigen kann, dass ich in relativ anständigen Kreisen verkehre) – naja, auf jeden Fall sind sie schon seit den frühen Morgenstunden dabei „bombas“ abzufeuern, Autoreifen anzubrennen oder Bäume umzulegen.
Aber wie gesagt, die Mehrheit der Leute hat eigentlich sogar mehr Angst davor, und fühlt sich dann dementsprechend unwohl. Und weil es im und um den Park (der eigentlich mehr ein hübscher Betonplatz mit Bänken und ein paar „Topf-Palmen“ ist) zu unruhig ist, sind auch gerade Verwandte von meiner Gastmutter Isol bei uns einquartiert.
Warum es immer nur in Salcedo krasser ist, darüber hab ich mich auch mit Isol unterhalten… sie meint nämlich, dass die Leute in der Stadt noch mehr Grund haben, unzufrieden zu sein als im Rest des Landes, weil hier schon seit Jahren Stillstand herrscht und die Regierung sich um überhaupt nichts kümmert, weder um Arbeitsplätze noch Schulbildung noch Müllabfuhr, geschweige denn um Strom- und Wasserversorgung. Da liegt das Eskalationspotential verständlicherweise höher als z.B. in Küstenorten, die zumindest teilweise vom Tourismus profitieren (oder profitiert haben).
Aber so viel zu der aktuellen Lage… jetzt ein bisschen zu den letzten 4 Wochen
Wie immer kann ich dem oft gehörten Satz „aquí se goza“ (=hier genießt man) echt nur zustimmen. Klar, ich bin auch am Arbeiten, und das echt nicht wenig (dazu später noch ein bisschen mehr), und danach auch immer recht gut fertig, aber wofür hat man denn Wochenenden?! :-)
| Mangú (=Kochbananen-Matsche), Avokado und Käse :-) |
Hier mal eine kleine Aufzählung von unseren diversen Extraaktivitäten:
- Die Graduations-Feier eines Freundes aus Villa Tapia mit ganz viel Tanzen, Essen, Alkohol, Fotos und lustigen Spielen
- Das Spaghetti-Essen bei mir im Haus zu Ehren einer ehemaligen Freiwilligen, die gerade wieder zu Besuch da war
- Ein 4stündiger „auto-maquillaje“ Kurs, bei dem leider keiner gelernt hat, sich selbst zu schminken, wir aber trotzdem alle ziemlich gut „verschönert“ herauskamen :D
- Ein Sancocho (eine Art Reissuppe)-Essen mit den Nachbarn und Inga
- 2 Ausstellungsbesichtungen, die eine in Villa Tapia, die andere in Salcedo (unter anderem von meinem Nachbarn, der Künstler ist und dem ich wegen seiner genial-lustigen Art mittlerweile auch verzeihe, dass er seine klassische Musik lauter aufdreht als ich mit meinem Laptop dagegen ankämpfen kann)
- Unser Besuch der deutschen Botschaft in Santo Domingo, der kleine „Bummel“ durch die Altstadt und die Führung durch den „jardín botánico“
- Der 131. Geburtstag von Salcedo mit einer 2h Messe und einem Umzug durch die Stadt
- Und natürlich noch Lars Geburtstag und unser Wochenendausflug nach Sosúa (später noch ausführlicher)
Mit so viel Programm vergeht die Zeit natürlich wie im Flug und ich war ziemlich überrascht als ich dann Ende Oktober den ersten Weihnachtsschmuck (eine bunte Lichterkette, allerdings in Form von Ostereiern :)) am Haus unserer Nachbarn entdeckte und sogar meine Schule schon mit dem Schmücken anfing. Allerdings kommt leider bei anhaltenden 27° und Sonnenschein nicht so richtige Weihnachtsstimmung auf (auch wenn ich schon fleißig Jingle Bells auf Spanisch lernen darf), deswegen bin ich auch noch dabei, die Motivation zum Kartenschreiben zu suchen – ihr werdet es ja dann mitbekommen, ob ich sie noch rechtzeitig gefunden habe ;-)
Selbst die mit den Kindern gebastelten Weihnachtsterne konnten an der fehlenden feierlichen Atmosphäre was ändern, wenn es mich natürlich auch echt freut, dass ich mittlerweile meine außerstundenplanmäßigen Aktivitäten mit den Kindern umsetzen kann – Anfangs ist es nämlich öfter mal daran gescheitert, da ich den Unterricht allein übernehmen musste, weil alle Lehrerinnen wegen Krankheit oder diversen anderen Gründen gefehlt haben.
So hatten wir jetzt schon einen „Tag der Ernährung“ mit einem Essen, bei dem jedes Kind etwas von daheim mitgebracht hat, außerdem waren wir mit unserem einstudierten Kinderlied beim Gesangswettbewerb aller Schulen aus Salcedo (leider haben unsere „pollitos“ (also Hühnchen) es nicht auf die vorderen Plätze geschafft). Auch mein Tanzkurs läuft super - ja, Lisa bringt den Latinos das Hüftenschwingen bei ;) – Äh, Nein! Wollen wir mal nicht so weit greifen. Merengue, Reggaeton und Bachata (also die am meistens getanzten Sachen hier) können sie alle schon ziemlich perfekt, trotz ihres jungen Alters; ich bringe ihnen lediglich einen Line-Dance auf Jazz-Musik bei. :D
Ja, ich fühle mich jetzt richtig als Teil der Schule und wohl dabei! Dass ich mich gut eingewöhnt habe, ist mir nämlich aufgefallen, als ich bemerkt habe, dass ich mittlerweile nicht nur alle Namen von den Kids kann (und das sind über 50, darunter auch hübsche, für uns ungewohnte wie z.B. Luz Yudery, Anmerly und China, die ich mir teilweise erst merken konnte, als ich sie mir aufschreiben ließ): Nein, noch mehr – ich werde mittlerweile auch als „profe“ geachtet; eine, die zwar nicht die entsprechende Ausbildung hat, der man aber deswegen trotzdem nicht auf der Nase rumtanzen darf, nur weil sie nicht gleich laut wird und die Kinder, aufgrund sprachlicher Hindernisse, nicht immer ganz in ihre Schranken weisen kann (allerdings wird dies auch immer besser).
Anscheinend sehen mich auch die anderen Lehrerinnen als ein Teil von ihnen an, weil sie, was mich als erstes schon ziemlich irritiert hat, versuchten mich mit ihren jüngeren Brüdern zu verkuppeln. Als ich dann über den ersten Schock hinweg war, den mir die Tatsache verursachte, dass dieser Versuch von meinen „Vorgesetzten“ kam, und dann antwortete, dass ich keinen Freund will, kam von ihnen ganz überrascht zurück: „Aber du bist doch hübsch!“ – Dass für mich aber gutes Aussehen kein verpflichtender Grund für eine Beziehung und auch „Allein-sein“ keine Horrorvorstellung ist, ja, ich glaube, DAS haben sie bis heute noch nicht verstanden… ^^
Aber naja, solche Sachen sind eher Kleinigkeiten, über die man hinweg sehen kann (und auch sms von besagten Brüdern kann man erstaunlich erfolgreich ignorieren); was mir allerdings schwerer im Magen liegt ist zum Beispiel, dass eine Lehrerin wegen Diabetes hat und des Öfteren deswegen im Krankenhaus liegt, sie aber nicht auf die Idee kommt, dass es daran liegen könnte, dass sie sich zusätzlich zu ihrem normalen Essen noch zweimal täglich Milchbrötchen und gesüßte Vanillemilch gönnt. An sich würde mich das nicht stören, da sie ja erwachsen und selbst verantwortlich für ihre Gesundheit ist. Das Problem ist nur, dass besagte Süßspeisen in der Pause auch an alle Kinder verteilt werden und auch die anderen Sachen, die zum Verkauf stehen und auch heiß begehrt sind, ausschließlich aus Keksen, Lutschern und Bonbons bestehen. Dies ist in meinen Augen mehr als ein bisschen unvernünftig, nicht nur, weil sie später dann vielleicht mal an Diabetes erkranken können (das hängt ja auch noch von ihrem weiteren Lebensstil ab), sondern vor allem weil Kekse und anderer Süßkram (im Vergleich zu Obst) einfach nicht die nötigen Vitamine/Energie für konzentriertes Arbeiten liefern. Wenn die Kinder dann in ihrer Pause noch nicht mal ein bisschen Ball im Hof spielen dürfen (um sich auszutoben), „weil er ja auf die Straße fallen könnte und es ja auch gefährlich ist, wenn sie ihn von da wieder holen müssen“ (viel gefährlicher als Motorradfahren ohne Helm im dem Alter kann es, ehrlich gesagt, auch nicht sein und da sagt keiner was dagegen) oder weil sie ja die Blumen im Garten zerstören könnten oder den Hausmeister damit ärgern könnten… naja, dann versteh ich nur zu gut, warum sie unausgelastet, bisweilen sogar hyperaktiv, aber hauptsächlich unkonzentriert sind.
Oder auch, dass sie immer eisgekühlte Getränke trinken und die Klimaanlage/Ventilatoren immer auf volle Pulle haben – ehrlich gesagt, kein Wunder, dass sie dann, noch mehr schwitzen, wenn sie sich dann außerhalb deren Reichweite befinden, und kein Wunder, dass sie dann krank werden, und viele der Kids mit einer permanenten Erkältung rumlaufen, denn so ein krasser Unterschied zwischen „drinnen und draußen“ geht einfach jedem ans Immunsystem. Allerdings mache ihnen dann mal klar, dass eine kurzfristige Abkühlung im Vergleich zur „gripe“ nicht besser ist, wenn sie der Meinung sind, dass die Erkältung bestimmt nicht davon kommen kann.
Bei solchen Sachen fühl ich mich immer ziemlich ohnmächtig, weil ich einfach nichts dagegen machen kann, nicht nur weil ich Ausländer bin oder gerade so mal Abiturientin, nein, sondern einfach, weil ich allein nicht das gesamte Kollektiv-Verständnis der Menschen hier ändern kann.
So viel zu den Sachen, die man hier einfach erst mal mit einem mehr oder minder bemühten Lächeln runterschlucken muss.
Jetzt zu meiner kleinen Änderung im Wochenplan: Lisa stellt mittlerweile nämlich freiwillig früher auf als nötig, ums genauer zu nehmen um halb 6 (statt um 7.15).
Der Grund dafür ist relativ einfach. Ich war schon seit längerem nicht mehr wirklich zufrieden mit dem Volleyballtraining, weil ich die meiste Zeit nur draußen saß, da einige wenige „Große“, darunter auch die beiden Trainerinnen, für ein 3-gegen-3-Spiel üben wollten. Da kam es mir dann eigentlich ganz recht, als Monika meinte, ob ich nicht mit ihr mal den Aerobic-Kurs im Fitnesscenter ausprobieren wollte. So gehe ich jetzt, nicht wie Monika nachmittags (ich gebe dem Volleyball nämlich trotzdem noch eine Chance, vielleicht ändert es sich ja nochmal), sondern frühs von 6 bis 7Uhr ins Fitnesscenter und bin danach immer gehörig fertig – und ja, ich hätte nie gedacht, dass es Aerobic auch in anstrengend gibt (so nach meinen früheren Erfahrungen mit der Materie urteilend). Ein weiterer Grund dabei zu bleiben ist nicht (nur ;-)) der heiße Aerobic-Trainer, sondern vor allem der Fakt, dass mein Seil endgültig kaputt gegangen ist – ja, ich habe bemerkt, dass rauer Steinboden weder Plastik noch Stahl gut tut und dass es mit Klebeband sich auch nicht so gut flicken lässt. :D Aber so viel dazu….
Auch mein Deutschkurs läuft wunderbar, allerdings hat sich der Name in „Kulturaustausch und Spaß“ geändert, weil wir dann des Öfteren doch von der deutschen Sprache abschweifen und uns über diverse andere Dinge unterhalten, unter anderem wie lustig ich manche Wörter ausspreche. Die Jungs (und das eine Mädels) sind auch die einzigen, die echt bemüht darum sind, mein Spanisch (wie sie so schön sagen) „zu perfektionieren“, deswegen bringen sie mir nicht nur dominikanische „Fachwörter“ und Zweideutigkeiten, sondern auch Zungenbrecher, Witze und Abzählspiele bei. :-)
Letztendlich zum letzten Wochenende :-)
· Der Anlass: Lars 20. am Samstag
· Der Plan: eigentlich nur Samstag und Sonntag in Sosúa verbringen, am Strand Volleyball spielen, abends schön essen gehen, etc., da Lars eigentlich nicht so gerne seinen Geburtstag feiert, und deswegen nur die Freiwilligen, also Monika, Inga, Sebastian, seine Freundin Teresa und mich eingeladen hat
· Die Idee (von Monika): Überraschungsparty von Freitag auf Samstag (und gleichzeitig auch so ein bisschen die Verabschiedung von Kelvin, ein dominikanischer Freund von uns Freiwilligen, und seiner Freundin Annika, eine ehemalige Freiwillige, die einen Monat zu Besuch da war. Die beiden gehen jetzt zusammen nach Deutschland)
· Das Resultat:
1. Jede Menge Spaß, Tanz und Trunk und eine geniale Torte, die zum großen Teil ihren Weg auf die Gesichter/Kleidung der Mitfeiernden gefunden hat, leider aber nicht wirklich in deren Bäuche (scheint hier an Geburtstagen so Brauch zu sein :D)
2. 2 super Tage am Strand, bzw. im Hotel oder unter diversen Dächern (wegen des teilweise bescheidenen Wetters)
3. Ganz viele Fotos, in deren Besitz ich aber leider noch nicht bin, da mich die Fotofaulheit mal wieder schlagartig und unbesiegbar überfallen hat – wer aber ganz ungeduldig ist, kann sich gerne Lars Blog anschauen, da ist dann der Link zu den Bildern zu finden ;-)
Nach diesem Wochenende bin ich, auch wenn ich nicht wie andere ein Brandnarbe vom Motorradauspuff habe, endgültig und vollends dominikanisiert! :D
Zum einen, weil wir das dominikanische „Vorgehen gegen den Regen“ ein bisschen übernommen haben (wenn auch nur einmal) – es sieht in etwa so aus:
Sich mehr oder minder schnell etwas zum unterstellen suchen und dann einfach warten. Sich dabei unterhalten oder auch einfach nur zufrieden/glücklich/bisweilen auch dumpf vor sich hinstarren. Und das locker mal über Stunden hinweg – aber ja, es funktioniert mittlerweile und es fühlt sich sogar gut an, oder zumindest auf jeden Fall nicht schlecht, wie wir kollektiv nach guten 3h feststellten, die wir stehend in Strandkleidung unter dem Palmenblätterdach einer verlassenen Hotelbar am Strand verbrachten.
Zum anderen bin ich dominikanisiert, weil ich auch einmal Teil eines rekordverdächtig überfüllten guaguas (eine Art öffentlichen Transportmittels) sein durfte. Und wenn ich rekordverdächtig sage, dann meine ich das auch! Bis jetzt lag die Obergrenze, die wir in einem solchen Gefährt (meistens ein Kleinbus für 15Personen ausgelegt) zählen durften, bei 24Personen. Es wird dann halt einfach ein bisschen zusammengerutscht und die Dominikaner sind es eh gewöhnt (Berührungsängste und Klaustrophie hat hier auch wohl eher niemand).
Aber wir wären ja nicht wo wir sind, wenn das nicht noch ausbaufähig wäre xD Zugegeben, selbst die erfahrensten Dominikaner waren milde geschockt als Person Nr.25 zustieg (eher sich dazustellte, weil es keine Sitzplätze mehr gab, nur noch Stehplätze an der offenen Tür) und auch noch einen süßen Hahn mitbrachte (der dann aber leider ziemlich schnell eingetütet wurde). Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt den Sack Reis und den anderen mit Kartoffeln noch ziemlich unbeachtet gelassen und wurde erst später von den anderen darauf hingewiesen.
Dazu kann ich im Nachhinein nur sagen: „me sobran las palabras“ xD
Dazu kann ich im Nachhinein nur sagen: „me sobran las palabras“ xD