Dienstag, 15. Mai 2012

Karibikidylle


„Ein FSJ in der Dominikanischen Republik? – Klar, dann mal viel Spaß im Urlaub!“

Tja, die typische Vorstellung von Karibikidylle.
– Wer hat(te) sie nicht?!

Das Bild von Sonne, von ins türkisfarbene Wasser reichenden Kokosnusspalmen, von weißem Sandstrand, von heißen latinos, die Merengue tanzen und von Rum im Überfluss – alles in allem das Paradies – ein Bild für die Götter.

Klar, das gibt’s hier schon auch, aber leider halt nicht ausschließlich.  
Aber ich hoffe mal, dass ich euch bis jetzt zumindest schon einmal ein kleines bisschen auch die anderen Seiten der Insel zeigen konnte.

Und für diejenigen, die bis jetzt noch nicht ganz in der Wirklichkeit angekommen sind, folgende kleine „Urlaubs-“Geschichte:

Leider verfügt mein „Hotel Zuhause“ schon seit Donnerstag mal wieder über kein fließendes Wasser. Dieses sollte eigentlich täglich über die Rohrleitungen kommen, um die Zisternen auf den Dächern oder in den Hinterhöfen aufzufüllen. Scheinbar kam es aber schon länger nicht mehr, weshalb meine Geburtstagsdusche dann leider aus Eimern bestand. Ja, zumindest war noch ein klitzekleines bisschen Wasser in unserer Zisterne im Hinterhof übrig (leider aber nicht mehr allzu sauber).
 
In der Hoffnung, dass das Wasser doch jetzt eigentlich jeden Tag kommen müsste, verharrte ich das geschlagene Wochenende (ziemlich alleine, da meine Gastmutter Verwandte besuchen ist).
Sonntag war es dann auch schon so weit, dass mein Gastbruder Wasser kaufen musste, da das bisschen Regenwasser, welches wir auffangen konnten, nicht mehr wirklich ausreichte.
 
Ja, man lernt den Wert des Wassers neu zu definieren und bemerkt auch erst einmal wie viel Wasser man für was braucht, wenn man es eigenhändig schleppen darf. Zum Duschen, Waschen, Spülen, fürs Bad… und an warmes Wasser denke ich dabei schon gar nicht mehr; es reicht mir mittlerweile schon, wenn ich in meinem Duschwasser keine toten Fliegen, Kaulquappen, Holz oder undefinierbaren Matsch finde.

Samstag war eigentlich auch ein Ausflug in einen Wasserpark/Erlebnisschwimmbad in Santiago geplant (so als kleine Geburtstagsfeier), der dann aber nicht stattfand, aufgrund diverser personeller Ausfälle. Auch das angedachte Weggehen abends fiel aufgrund des Regens ins Wasser. Das Geburtstag-Feiern ist somit auf Unbestimmt verschoben.

Alles soweit noch nicht so dramatisch (ist man als abgehärtete Deutsch-Dominikanerin ;) ja schon gewohnt). Sonntag ging dann blöderweise auch noch das Internet flöten, scheinbar ist das ganze Netzwerk von claro (einer der Internet/Telefon-Gesellschaften) zusammengebrochen, da die gesamten Telefone in meinem Viertel nicht mehr funktionieren. Die Regelung des Ganzen ist noch nicht absehbar. Deswegen war es auch leicht umständlich, diesen Post hochzuladen (Laptop à USB-Stick à Arbeits-PC à Internet :-)).

Weiter geht’s. Da ich das Wochenende quasi alleine wohnte, musste ich mich also auch selbst verpflegen; leider ist das, gegeben der Situation, dass wir seit 8 Monaten keinen Kühlschrank besitzen, eine Gradwanderung, weil ich nie viel im Haus haben kann. Wenn es nicht der Combo Hitze-hohe Luftfeuchtigkeit erliegt, dann spätestens den zahlreichen Ameisen, Kakerlaken oder (seit neustem) auch unserer Haus-Maus (welche leider scheinbar nicht so auf Rattengift steht). Doch hätte ich immerhin Sonntagabend noch ein Paar Rühreier hinbekommen, wenn mir nicht auf halbem Weg das Gas ausgegangen wäre, und es war leider schon zu spät neues zu besorgen. Also eben dann doch hungrig ins Bett.

Montag früh: ich wollte nach der Arbeit eigentlich Essen und Gas einkaufen – jaa, leider nicht.
Die Ansage war (wie so oft in letzter Zeit): Huelga! 
(„Geh also so schnell wie möglich nach Hause, Lisa, und da dann auch bitte den ganzen Tag nicht mehr raus.“)
 
Und da die Supermärkte, die auf meinem Heimweg lagen, auch schon geschlossen hatten, blieb mir nur ein kleiner Colmado um die Ecke übrig, dessen Besitzer auch schon dabei war, sein Geschäft vor aufziehenden Autoreifen-Rauchschwaden und Tränengas-Bomben zu verbarrikadieren. Allerdings findet man in besagten Colmados leider auch, abgesehen von Brot und Käse, nicht vieles, was ungekocht genießbar ist.
 
Daheim musste ich dann feststellen, dass das Internet immer noch nicht wieder in Gang gesetzt wurde. Mir stand nun also  ein ganzer freier Nachmittag und Abend bevor –  meine Optionen: lesen, lesen, lesen, Musik hören, schlafen, und Post schreiben.  

– Ja, sehr idyllisch! :D

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Ansonsten war der letzte Monat aber doch relativ ereignisreich. Neben vielen Treffen, Motto:  „Arbeitsplanung für die Sommermonate“ (da Schulferien = Sonderprogramm für die Kids) und Unibewerbungen, gab es doch auch 2 Ausflüge an den Strand, zum einen der Betriebsausflug der Oficina Técnica (also die für uns zuständige Organisation) in mein geliebtes Las Terrenas und zum anderen nach Montecristi, zusätzlich zu der Besichtigung eines Hauses, das gänzlich aus Plastikflaschen und Zement gebaut ist; beide Ausflüge waren schön und interessant, wenn auch anstrengend, da viele Dominikaner über viele Stunden in einem Fahrzeug mit Musik … naja, es hat mich von der Lautstärke und Ausgelassenheit her an meine Abifahrt erinnert. :D

Daneben fand dieses Jahr die 15. Internationale Buchmesse in Santo Domingo statt. Ich hatte das Glück, diese zweimal innerhalb organisierter Ausflüge besuchen zu dürfen. Um ehrlich zu sein, hat es mich riesig gefreut, so viele Dominikaner auf einem Fleck zu sehen, die sich alle für Bücher interessieren und davon auch Ahnung haben, da die meisten aus meinem täglichen Umfeld Lesen nicht unbedingt als ihr Hobby bezeichnen würden.
 
Das Wochenende in der Hauptstadt, welches wir noch daran gehängt haben, verbrachte ich dann damit, meine ersten eigenen Mangos frisch vom Baum zu prügeln (richtig genial! :-)) und mir erstmalig hier einen Film (sogar in 3D) im Kino anzusehen – witziger weise auf Englisch  und nur mit spanischem Untertitel, was meinen Begleiter so gar nicht erfreute. :D

Außerdem steht jetzt diesen Sonntag die heißersehnte Präsidentschaftswahl an. Sogar ich wurde schon ganz ernsthaft von meinen Schülern gefragt: „Lisa, wählst du Hipólito oder Danilo?“ (Die Kandidaten der beiden einflussreichsten Parteien des Landes, welche aber lustiger weise nur mit ihren Vornamen den Wahlkampf führen).
 
Diese Wahl wird noch aufmerksamer verfolgt, wird noch spannender und hitziger als die vorhergehenden, da das Volk nach einem Wandel (verständlich aufgrund der aktuellen Lage der Republik) verlangt, der ihm zwar von den Kandidaten versprochen wird, bei dem es aber auch fast schon sicher ist, dass er, falls er kommt, nicht für alle ist. Da jeder Präsident natürlich nur die eigenen Parteimitglieder in seinen Ämtern sehen will und somit alle staatlich-Beschäftigten ausgetauscht werden, sollte die Oppositionspartei an die Macht kommen. So bekommen zwar viele einen Arbeitsplatz, andere verlieren ihn dafür – wo da das „bessere Land – aber für alle!“ (so sprechen hier die Wahlkampfplakate) sein soll ist mir noch rätselhaft.

Aber naja, ich bin gespannt, angeblich soll ziemlich viel Geld fließen, viel diskutiert werden (wer gewinnt oder schon gewonnen hat), es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Anhängern geben und nach der Ergebnisverkündung ist für mindestens 3 Tage am Stück Party angesagt.

Meine erste Bekanntschaft mit dem „Stimmenkauf“ hatte ich auch schon. Als ich neulich mit einem Kumpel auf ein Bier an der Tankstelle (der soziale Treffpunkt) saß, bekamen wir mit, wie einige hohe Parteimitglieder kistenweise Bier abtransportierten und kurz darauf mit leeren Autos wieder zurückkamen und Nachschub holten. Das Bier war nämlich keineswegs für irgendeine Geburtstagsfeier gedacht, sondern eher für eine offene Partei-Versammlung, der sich dann auch „interessierte Außenstehende“ anschließen konnten und/um dann kostenlos mittrinken zu dürfen; natürlich alles in der Hoffnung auf zusätzliche Stimmen.

So, im Endeffekt, war es das auch schon wieder aus meinem „Karibikurlaub“.
Also dann bis zum nächsten Abenteuer vom Traumziel „Südsee“. ;-)
Con mucho amor y cariño,
Lisa <3  

Noch ein kleiner Nachtrag – nein, ich haben diesen Post nicht von dem Arbeits-PC hochgeladen, sondern doch daheim, es kam nämlich glücklicherweise gerade das Internet wieder. Allerdings war der Tag trotzdem nicht ungemein prickelnd, da die huelga von gestern fortgesetzt wurde und ich deshalb schon wieder den ganzen Tag allein im Haus sitze…. Zu meiner Freude jetzt aber wieder online :-)

Samstag, 14. April 2012

Vacaciones, viajes y visita


Nach mehr als 2Monaten doch mal wieder nächste Post…
Ja, ich bin aus dem Urlaub zurück – nach mehr oder weniger 6Wochen Arbeitspause, darf ich am Montag wieder  in meine Schule und zu den bezückenden Kids zurück :-) 

Die letzten Wochen waren superschön, anstrengend, intensiv und so gut gefüllt, dass ich es nicht alles einzeln aufzählen will… in der Zusammenfassung war meine Freundin Constanze für einen ganzen (!!) Monat da und dann im Anschluss meine Familie für 2Wochen. Ich kann nur sagen: DANKE für die wundervolle Zeit mit euch, ihr habt mir viel gegeben! :-* Vor allem wieder neue Motivation, mehr Sicherheit und Gelassenheit, was so bestimmte Dinge angeht.

Inzwischen habe ich so mehr oder minder das ganze Land bereist, viele atemberaubende Strände gesehen, Wasserfälle bestiegen, Städte kennengelernt, Schuhe/Bilder/Ohrringe/Souvenirs geshoppt, nette Leute kennengelernt, getanzt, interessante, tiefgreifende Gespräche geführt, herzhaft gelacht und mich alles in allem wieder mehr wie ich selbst gefühlt. :-)

Aber auch jetzt, wo man meinen könnte, dass es wieder etwas ruhiger zugehen könnte, wird es nicht langweilig werden – zum einen geht es am Montag in die letzte Arbeitsphase, die allerdings nur so bis Ende Juni geht, vermutlich sogar noch kürzer, aufgrund der anstehenden Präsidentenwahl am 20.Mai – ja, darauf bin ich auch gespannt; einen kleinen Ausblick darauf bekomme ich durch den turbulenten, lauten Wahlkampf ja jetzt schon mit. (In meinem nächsten Post gehe ich darauf dann auch näher ein; ein sehr spannendes Thema nämlich, da es, trotz dem gemeinsamen demokratischen System, doch ganz anders als in Deutschland zugeht.)
 
Zum anderen kann ich wieder meine sportlichen Tätigkeiten aufnehmen, die ich zuletzt doch ein bisschen vernachlässigt habe, und außerdem geht es jetzt in die Entscheidungs- und Bewerbungsphase für die Uni; das „Was“ steht ja immerhin schon fest, das „Wo“ fehlt leider noch…  Und danach darf auch schon meine Sommerzeit (um nicht Extraferien zu sagen :-)) geplant werden. Angedacht ist, neben dem Bereisen der Orte, die ich noch nicht kenne, ein freiwilliges Arbeiten in einer Konditorei oder das Bemalen von Häusern. Aber mal schauen, was sich da ergibt – zu viel sollte man hier in diesem Land langfristig eh nicht festlegen, wie ich ja schon öfter feststellen durfte. :D

So, jetzt aber zu dem Schwarzen (Informations-)Loch genannt die „Zeit vor dem Heimatbesuch“.
Eigentlich hatte ich mich ja schon einmal am 27.2. hingesetzt und angefangen, einen neuen Post zu schreiben, konnte dann aber aufgrund totalen Stromausfalls ihn nicht beenden. (Ja, sogar unser Inversor, so eine Art Akku, hatte sich zu diesem Zeitpunkt entladen)  

Naja, auf jeden Fall der 27.2. – Tag der Unabhängigkeit von Haiti und somit Nationalfeiertag der Dom.
Eigentlich dachte ich bis dahin, es sei der „Tag des Karnevals“; kam mir, nachdem Aschermittwoch ja schon vorbei war, doch ziemlich nebulös vor – aber die Dominikaner feiern ja gerne. Und so halt eben auch Fasching einfach 2Wochen in die Fastenzeit rein.
Das hätte ich mir vorher bei so einem, den katholischen Glauben praktizierenden, Land auch nicht vorgestellt. Ob und auf was gefastet wird, ist mir auch noch nicht ganz klar geworden – schade, wird scheinbar wieder einmal nichts mit meinen Abnehmvorsätzen, ;-) denn auf Zucker fasten sie ganz sicher nicht, da das typische Essen für diese Zeit habichuelas con dulce, also eine sehrsehr süße Bohnen“suppe“ ist.

Auch der Februar ging schnell rum, was vor allem daran lag, dass jedes Wochenende mit diversen Aktivitäten bis zum Bersten verplant war. Von dem Besuch des Karnevals in La Vega (die nächstgrößere Stadt neben Salcedo), dieser soll angeblich nach Río de Janeiro der weltweit Zweitbeste sein. Aber naja, über Geschmack kann man sich ja bekanntlich streiten; mir persönlich gefällt der deutsche Fasching doch besser. Allerdings kann auch ich nicht die genialen, bunten Verkleidungen herunterspielen, bei denen jede Stadt ihre Eigenheiten hat; hier in Salcedo zum Beispiel sind alle Kostüme aus buntem Krepppapier, in La Vega dagegen aus einem glänzendem Stoff – ooja, eine Heidenarbeit das Ganze herzustellen!

Das Schönste am Karneval hier sind aber nicht die reizenden Kostüme der Gruppen, sondern die „vejígas“! Kann man sich in etwa wie folgt vorstellen….
Ehemals waren es Schweineblasen an Schnüren, mittlerweile durch ein härteres Material ersetzt worden, ähneln sie mehr Football-Bällen (aus Gummi mit Stoffüberzug) und dementsprechend weh tut es auch – denn die sind leider nicht nur zur Deko da, sondern die „macaraos“, also die Verkleideten, laufen damit durch die Straßen und teilen nach Lust und Laune gewaltige Schläge damit aus, bevorzugt auf die weibliche Kehrseite. Schon einmal allein deswegen kommt von meinem Part aus keine großartige Stimmung auf…

Ein Bonus allerdings ist, dass nach dem Umzug Sonntags dann die Meisten zum tanzen gehen, so auch wir – zudem hatten wir Freiwillige noch einen Extragrund zu feiern, da ein dominikanischer Freund nach 3Monaten aus Deutschland zurückgekommen ist. :-)

Abseits der davon stammenden blauen Flecken, durfte ich auch so viele Herzen und rosa Engel wie noch nie zuvor malen, ausschneiden und mit Glitzer bestreuen – ja, richtig: Valentinstag.
Auch eine interessante Angelegenheit. Mich hat ja schon die Garderobevorschrift: rotes Oberteil in Verzweiflung gestürzt (wer meine Auswahl in der Hinsicht kennt, weiß warum :D). An dem Tag selbst war ich doch dann erstaunlich positiv überrascht. In Deutschland bemerkt man Valentinstag ja kaum, mal abgesehen von der Schaufensterdeko oder dass man dem Freund etwas Kleines schenkt. Hier allerdings waren gefühlte 99,9% der Dominikaner rot angezogen und es wurden ganz viele Süßigkeiten verschenkt und das vor allem auch an alle möglichen Freunde; alles in allem war die Stimmung in meiner Schule an diesem Tag noch herzlicher und „knuddeliger“  als eh schon. :-)

Kurz nach Valentinstag ging es dann, wenn auch datumsmäßig ein wenig verfrüht, auf das Halbjahresauswertungsseminar. Untergebracht in einer ruhigen, ehemaligen Klosteranlage verbrachten wir 4 ICJA-Freiwilligen (leider dann auf nur noch 3 reduziert, weil Inga sich vorzeitig verabschiedete) eine interessante Zeit, in der wir uns (hoffentlich) über unseren aktuellen Stand, unsere Fortschritte, Probleme und Ziele klar wurden.
 
Der Höhepunkt der ganzen Sache war natürlich der Tagesausflug nach Puerto Plata in das Bernsteinmuseum und danach an den Strand von Cabarete. Dieser Tag hat mir allerdings nur wieder einmal bestätigt, dass ich keinem Dominikaner mehr glaube, wenn er mir erzählt, er ginge gerne im Meer baden. Bis jetzt haben nämlich alle, mit denen ich an der Küste war, sich sofort in den Schatten verzogen und waren von da auch dann nicht mehr weg zu bekommen.

Ja, in dieser Hinsicht ist der Dominikaner ein Kuriosum. Man könnte meinen, in einem tropischen Land würden sie die Abkühlung durch das Meer genießen, aber nein, sie sind extrem sonnenscheu – sie könnten ja dadurch noch „schwärzer werden als sie bis jetzt eh schon sind“ (Zitat eines jeden Dominikaners, mit dem ich mich bis jetzt darüber unterhalten habe).
 
Genau deswegen haben die Regenschirme hier in diesem Land auch eine Doppelfunktion, als Sonnenschirme, erhalten. Was aber nicht ausschließt, dass sie nicht auch bei schlechtem Wetter benutzt werden; bei schlechtem Wetter aber auch eher lieber zu wenig als zu viel, da die Dominikaner da auch eher selten, und wenn dann nur aus zwingenden Gründen, das Haus verlassen. Sie sind nämlich nicht nur sonnen-, sondern auch regenscheu. Die einzige Gelegenheit, bei der man einmal Dominikaner sich beeilen sieht, ist nämlich, wenn es kurz davor ist oder schon angefangen hat zu regnen; auch können sie nicht verstehen, dass man als Europäer trotz Regen zur Arbeit (oder zu jedweder anderen Veranstaltung) gehen will, da hier dann alles im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fällt.

Anfangs habe ich diese fast schon panische Angst davor, nass zu werden, nicht ganz verstanden, da ja der Regen nicht unbedingt kalt ist und auch die Außentemperatur nicht merklich fällt. Nachdem ich aber des Öfteren schon mit nassen Klamotten in zugigen Räumen saß (ja, die Häuser sind nicht so ganz luftdicht gebaut wie die Deutschen) und dann am nächsten Tag doch relativ verschnupft war, bin ich in dieser Hinsicht etwas verständiger geworden. :-)

So hiermit beende ich meine heutige Ausführung über mein dominikanisches Leben. Über feedback freue ich mich immer und nach der langen Zeit natürlich noch mehr! :-)

Eure Lisa,
die sich in Deutschland das Spülen und Klamottenwaschen mit kalten Wasser hätte auch nicht vorstellen können, es jetzt aber als so selbstverständlich ansieht, dass sie sich gewundert hat, warum ihre Mutter sie nach dem warmen Wasserhahn (welches warme Wasser?!) gefragt hat.
Und die jetzt auch weiß, wie 9Leute in einen normalen 4Sitzer gehen, und wie es sich anfühlt, die Füße unter dem Gaspedal und den Fahrer auf dem Schoß zu haben. (Ja, ich glaube, danach in Deutschland werden mich Anschnallgurte aus der Fassung bringen ;D)

Donnerstag, 2. Februar 2012

Y la tierra está temblando


Hey ihr Süßen da draußen, 

es wäre jetzt langweilig schon wieder damit anzufangen, mich für das lange nicht-posten zu entschuldigen, deswegen lasse ich es einfach :-) ihr habt euch mit Sicherheit eh schon dran gewöhnt zu warten – außerdem will ich euch ja ein bisschen dominikanische Mentalität näherbringen. ;-)

Wenn der Kerl, der den Pool reinigen wollte nach einem Monat immer noch nicht da war, naja, nicht so schlimm; wenn er dann doch irgendwann mal vorbeischaut à „yeah Poolparty!“ – So läuft das! :-)

Es gibt viel zu erzählen, war ja eine lange Zeit und es ist so einiges los gewesen, aber ich versuch es trotzdem in erträglicher Länge zu halten. (Ich hoffe, damit hab ich alle, die aus Angst vor Überlänge fast schon wieder aufhören wollten, doch noch einmal zum weiterlesen ermutigt :-))
Um chronologisch zu bleiben, beginne ich mal mit Weihnachten. Wie ihr ja schon vermutlich mitbekommen habt, fiel es mir ein bisschen schwer dafür in Stimmung zu kommen.

Das hat sich natürlich schlagartig am 24. geändert, als ich liebenswürdig um 5Uhr früh (!!) von ohrenbetäubender Musik (mit einem Bass, der das Würzburger Airport vor Neid erblassen lassen würde) und folgender Durchsage geweckt wurde: „Bevölkerung von Salcedo, steht auf, geht in die Kirche, feiert den Tag des Herren“ – ja, ich mein, als ob das irgendjemand nicht machen würde, aber muss das denn bitte schon soo früh anfangen?!  

Auch hier wieder ein gutes Beispiel für die dominikanische Gelassenheit. Hier käme keiner auf die Idee, sich darüber zu beschweren. Sei es jetzt laute Musik, Hundegekläffe, schlagende Autotüren, lautes Reden, etc. – egal zu welcher Uhrzeit, es wird einfach hingenommen und mehr oder minder ignoriert. Ich habe echt selten jemanden sich beschweren sehen, vielleicht mal wenn sie denken, dass man ihnen etwas überteuert verkaufen will.

Aber naja, zurück zum Thema, anstatt weiterzuschlafen, nachdem das Auto (ja, diese Ohrenvergewaltigung wurde nur von einem kleinen Auto verursacht) weggezockelt ist, bin ich doch aufgestanden, da Gottesdienst eh in unserem Tagesablauf integriert war.

Alles in allem verlief der Tag aber dann richtig weihnachtlich, mit viel Essen kochen und dekorieren und lachen und tanzen und ganz viel Vorfreude auf das Weihnachtsabendessen. Dieses war dann leider ein bisschen enttäuschend, weil mir im Voraus ein lustiges stundenlanges Beisammensein mit viel Tanz und Trank versprochen wurde, im Endeffekt hat es dann eine knappe halbe  Stunde gedauert und alle Gäste (unsere Nachbarn) waren wieder weg. Lag aber vermutlich daran, dass wir ein ziemlich zusammengewürfelter Haufen waren und uns nicht wirklich kannten.

Am 1. Weihnachtsfeiertag bin ich dann mit ein paar Freunden auch tanzen gegangen, so wie das hier um diese Zeit rum üblich ist. Und naja, einen Tag später ging auch schon die erste kleine, große Reise los.

Unser Samaná-Urlaub – ohne große Worte, einfach nur genial! :-)

Samaná ist eine kleine Halbinsel im Nordosten und mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Salcedo aus ca. in 3h zu erreichen. Und sie heißt nicht um sonst „das Paradies auf Erden“! Sie hat ungefähr 4größere Städte, die wir (wie üblich wir Freiwillige) uns in den 8Tagen bereist haben. So führte unser Weg über kleine traumhafte Strandbuchten mit überhängenden Palmen, puderzuckerweißem Sand und kristallblauem Wasser, in Tropfsteinhöhlen mit Taino-Gemälden (die Tainos waren die Ureinwohner der Insel, sie wurden durch Kolumbus versklavt und ausgelöscht), auf Pferden mitten durch den tropischen „Dschungel“, Felsabhänge hinunter, durch knietiefen Matsch zu einem atemberaubendem Wasserfall und schlussendlich an Silvester zu goldgelbem weitem Strand und Strandbars bis nachts um 6. :-)

Leider ging es dann schon wieder viel zu schnell zurück, denn es war eine Aufforstungsaktion in der schon wohlbekannten Reserva Ciéntifica Salcedoa geplant. Naja, die ist dann im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Aufgrund der unglaublich widrigen Bedingung (Nebel, Regen und 18°C - jaaa, das will ohne Heizung mit nassen Klamotten in zugigen Räumen schon was heißen) sind wir nach nur einer Nacht wieder nach Salcedo zurück. Zusammengefasst kann man sagen, dass ich mich noch nie so eklig gefühlt habe; heißer Schlamm mag ja als Kur ganz hilfreich sein, aber kalter, der einem permanent bis zu den Knien steht und es außerdem unglaublich schwierig macht, Berge rauf- und auch wieder runterzukommen, naja, ich weiß ja nicht … :D

Die weiteren Wochenenden verbrachte ich dann auch wieder ziemlich nah am Wasser – zum einen kochten wir am Fluss von Ojo de Agua (und bekamen außerdem super Einführung in die dominikanische Früchtewelt) und zum anderen bin ich mit einem Freund noch zu einem anderen Fluss gelaufen. Vom Matschgrad her war es vergleichbar mit unserer Aufforstungsaktion, nur war es dieses Mal die Mühe echt wert! Ein Mal mehr richtig unberührte Natur gesehen, einen Wasserfall runtergesprungen und eine 90° rutschige Felswand ohne Sicherung und alles hochgeklettert.

Ja, nicht nur im Straßenverkehr (ohne Helm/Gurt und unter Missachtung aller denkbaren Verkehrsregeln) sind die Dominikaner die äußersten Sicherheitsfans; nein, auch lange Wanderungen durch die Natur werden unter beschriebenen Umständen unternommen und zwar in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Was ihnen an Sicherheitsbedürfnis mangelt machen sie aber eindeutig mit Einschätzungsvermögen wett – glaube NIEMALS einem Dominikaner, wenn er sagt, „ach, das geht schnell, der Fluss ist nur eine Stunde zu Fuß weg“ entfernt. Dann sind es meistens 2h anstrengender Fußmarsch über Stock und Stein. Andererseits Entfernungen in der Stadt, die „uunends groß, das kann man nicht laufen“ sind, stellen sich meistens relativ kurz heraus. Dieser Dominikaner kann es nämlich schon genau einschätzen, wollte einem aber nur ein Taxi andrehen.

Das nächste Wochenende habe ich mich mit Tobias getroffen, der nach seinem halben Jahr in Québec seinen Urlaub hier verbrachte. Und da ich immer noch nicht genug von Wasserfällen hatte, bezwangen wir die berühmten 27Saltos de Damajagua – ok, nicht alle, sondern nur 7, aber die sind wir dafür dann auch hochgeklettert und nicht, wie normal, nur runtergesprungen. :-) Abgesehen davon waren wir natürlich (wer hätte es anders vermutet) noch am Strand, haben uns Puerto Plata und Ressorts von innen angeschaut und genossen, vor allem ich, das große Angebot der großen Supermarktkette Sirena – es lebe das Baguette (das einzige, was der deutschen Brotwelt annäherungsweise nahe kommt – jaa, mir fehlt Schwarzbrot!).

So, bevor ich mit meinem „Reisebericht“ fortfahre… ihr habt euch bestimmt schon über den Titel dieses Posts gewundert.

Y la tierra está temblando – und die Erde bebt … da ich nicht weiß, wie viel und ob es überhaupt bis nach Deutschland vorgedrungen ist, hab ich mir gedacht, ich erwähne es doch einmal in meinem Blog. Wir hatten in den letzten 3Wochen ungefähr 8Beben hier in der Dominikanischen Republik. Es waren aber zum Glück nur kleinere (also bis max. 5,8) und es ist nichts dabei zu Schaden gekommen. Allerdings steht, laut einiger Forscher, vor einer jahrzehntelangen Unruhephase mit Beben, die auch stärker sein können als das von Haiti vor 2Jahren. Ja, aber eben nur können, da man es ja nicht vorhersagen kann, wann, ob und wie stark ein Beben kommt. Wir in der Schule haben also begonnen Katastrophenmaßnahmen den Kindern verständlich beizubringen. 

An sich sollte es ja bekannt sein, was zu tun ist, wenn es ein Erdbeben gibt, vor allem in einem Land, das direkt auf einer Plattengrenze liegt, allerdings wissen viele, (und das Schlimme) vor allem in öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Kaufhäusern, etc., nicht wie sie damit umzugehen haben. Es fehlt einfach an der Aufklärung und zusätzlich an Fluchtausgangbeschilderung.  

Naja, aber so viel dazu – das letzte Wochenende war ich wieder unterwegs, da es sich angeboten hatte, weil der Montag ein Feiertag war – oder besser gesagt zum Feiertag gemacht wurde. Eigentlich wäre nämlich Freitag der Feiertag (Geburtstag von Juan Pablo Duarte, dem Republikgründer), da aber Freitag ja eh irgendwie schon zum Wochenende gehört, hat der Präsident einfach diesen Feiertag auf Montag umgelegt – tja, das nenn ich mal gechillt! :-)

Somit war ich dann mit Isol ihre Schwester in der Hauptstad besuchen, habe bemerkt, dass Familientreffen doch immer lustig, aber irgendwie auch anstrengend (da laut und chaotisch) sind, war im berühmten, sehr touristischen Boca Chica, habe mein erstes Baseballspiel von Anfang bis Ende gesehen (verstehe es leider trotzdem immer noch nicht), war im größten Shoppingcenter, das ich bis jetzt betreten habe, shoppen und habe ein Mal mehr bemerkt, wie krass der Preisunterschied zwischen Stadt und Land ist. Die Lebensmittelpreise sind eigentlich genau die gleichen wie in Deutschland und auch fürs Fitnessstudio zahlt man dort monatlich 40€ - da bin ich hier in Salcedo mit meinen 6€ doch ziemlich glücklich! :-)

Und das alles, obwohl ich eigentlich ziemlich tot war – ich habe mir nämlich vermutlich ein Bakterium eingefangen, im besten Fall auch nur den Magen verdorben, aber was auch immer, mir ging es auf jeden Fall ziemlich dreckig. Was mich dann aber wieder aufgebaut, gefreut, aber auch erstaunt hat, war die unendlich riesige, liebe Fürsorge meiner (erweiterten) Gastfamilie, die wirklich alles für mich gemacht hat und sich um mich gekümmert hat, wie eine weitere Tochter.
Hier in diesem Land mag ja einiges schief laufen, aber was wirklich steht ist die Familie; die hält hier nämlich zusammen wie Pech und Schwefel und alle unterstützen sich gegenseitig wo es nur geht, teilweise sogar finanziell, wenn es jemandem gerade nicht gut geht. Andererseits ist das natürlich auch eine Art Versicherung, man hilft seinen Verwandten, hat aber auch die Gewissheit, dass einem selbst dann geholfen wird, da es ja so etwas wie Hartz4 hier nicht gibt und man, wenn man keine Arbeit mehr hat, wirklich Probleme hat, sich über Wasser zu halten.

So, jetzt zum Schluss noch eine kleine Geschichte, von der ich nie gedacht hätte, dass es mir einmal passieren würde. Aber anscheinend reichen 5Monate im Land aus, um mich soweit zu dominikanisieren….

Ich habe eine blonde, große, hellhäutige, ziemlich europäisch aussehende Frau angestarrt!

Einfach nur, weil es soooo selten ist, dass sich Ausländer nach Salcedo verirren (normalerweise sind wir hier die einzigen Weißen). Ich kann also mittlerweile Dominikaner verstehen, wenn sie mich auf der Straße oder sonst wo anstarren; es ist einfach echt ungewöhnlich und selbst ich habe dann den Drang verspürt, sie zu fragen, woher sie denn kommt – habe es aber dann doch gelassen, weil ich ja weiß, wie es ist, dauernd von sooo vielen Leuten deswegen angeredet zu werden – kann ja teilweise schon ein bisschen nerven, vor allem wenn man mal nicht so gut drauf ist. Zufällig bekam ich dann mit, dass sie Dominikanerin ist. Tja, so viel zu vorurteilsfrei…

Muchos besos,
eure Lisa ♥