„Ein FSJ in der Dominikanischen Republik? – Klar, dann mal
viel Spaß im Urlaub!“
Tja, die typische Vorstellung von Karibikidylle.
– Wer hat(te) sie nicht?!
Das Bild von Sonne, von ins türkisfarbene Wasser reichenden Kokosnusspalmen,
von weißem Sandstrand, von heißen latinos, die Merengue tanzen und von Rum im
Überfluss – alles in allem das Paradies – ein Bild für die Götter.
Klar, das gibt’s hier schon auch, aber leider halt nicht
ausschließlich.
Aber ich hoffe mal, dass ich euch bis jetzt zumindest schon einmal ein kleines
bisschen auch die anderen Seiten der Insel zeigen konnte.
Und für diejenigen, die bis jetzt noch nicht ganz in der
Wirklichkeit angekommen sind, folgende kleine „Urlaubs-“Geschichte:
Leider verfügt mein „Hotel
Zuhause“ schon seit Donnerstag mal wieder über kein fließendes Wasser. Dieses
sollte eigentlich täglich über die Rohrleitungen kommen, um die Zisternen auf
den Dächern oder in den Hinterhöfen aufzufüllen. Scheinbar kam es aber schon
länger nicht mehr, weshalb meine Geburtstagsdusche dann leider aus Eimern
bestand. Ja, zumindest war noch ein klitzekleines bisschen Wasser in unserer
Zisterne im Hinterhof übrig (leider aber nicht mehr allzu sauber).
In der Hoffnung, dass das Wasser doch jetzt eigentlich jeden Tag kommen müsste,
verharrte ich das geschlagene Wochenende (ziemlich alleine, da meine Gastmutter
Verwandte besuchen ist).
Sonntag war es dann auch schon so weit, dass mein Gastbruder Wasser kaufen musste, da das bisschen Regenwasser, welches wir auffangen konnten, nicht mehr wirklich ausreichte.
Sonntag war es dann auch schon so weit, dass mein Gastbruder Wasser kaufen musste, da das bisschen Regenwasser, welches wir auffangen konnten, nicht mehr wirklich ausreichte.
Ja, man lernt den Wert des Wassers neu zu definieren und bemerkt auch erst
einmal wie viel Wasser man für was braucht, wenn man es eigenhändig schleppen
darf. Zum Duschen, Waschen, Spülen, fürs Bad… und an warmes Wasser denke ich
dabei schon gar nicht mehr; es reicht mir mittlerweile schon, wenn ich in
meinem Duschwasser keine toten Fliegen, Kaulquappen, Holz oder undefinierbaren
Matsch finde.
Samstag war eigentlich auch ein Ausflug in einen
Wasserpark/Erlebnisschwimmbad in Santiago geplant (so als kleine
Geburtstagsfeier), der dann aber nicht stattfand, aufgrund diverser personeller
Ausfälle. Auch das angedachte Weggehen abends fiel aufgrund des Regens ins
Wasser. Das Geburtstag-Feiern ist somit auf Unbestimmt verschoben.
Alles soweit noch nicht so dramatisch (ist man als
abgehärtete Deutsch-Dominikanerin ;) ja schon gewohnt). Sonntag ging dann blöderweise
auch noch das Internet flöten, scheinbar ist das ganze Netzwerk von claro
(einer der Internet/Telefon-Gesellschaften) zusammengebrochen, da die gesamten
Telefone in meinem Viertel nicht mehr funktionieren. Die Regelung des Ganzen
ist noch nicht absehbar. Deswegen war es auch leicht umständlich, diesen Post
hochzuladen (Laptop à
USB-Stick à
Arbeits-PC à
Internet :-)).
Weiter geht’s. Da ich das Wochenende quasi alleine wohnte,
musste ich mich also auch selbst verpflegen; leider ist das, gegeben der
Situation, dass wir seit 8 Monaten keinen Kühlschrank besitzen, eine
Gradwanderung, weil ich nie viel im Haus haben kann. Wenn es nicht der Combo
Hitze-hohe Luftfeuchtigkeit erliegt, dann spätestens den zahlreichen Ameisen,
Kakerlaken oder (seit neustem) auch unserer Haus-Maus (welche leider scheinbar
nicht so auf Rattengift steht). Doch hätte ich immerhin Sonntagabend noch ein
Paar Rühreier hinbekommen, wenn mir nicht auf halbem Weg das Gas ausgegangen
wäre, und es war leider schon zu spät neues zu besorgen. Also eben dann doch
hungrig ins Bett.
Montag früh: ich wollte nach der Arbeit eigentlich Essen und
Gas einkaufen – jaa, leider nicht.
Die Ansage war (wie so oft in letzter Zeit): Huelga!
(„Geh also so schnell wie möglich nach Hause, Lisa, und da dann auch bitte den ganzen Tag nicht mehr raus.“)
Die Ansage war (wie so oft in letzter Zeit): Huelga!
(„Geh also so schnell wie möglich nach Hause, Lisa, und da dann auch bitte den ganzen Tag nicht mehr raus.“)
Und da die Supermärkte, die auf meinem Heimweg lagen, auch schon geschlossen
hatten, blieb mir nur ein kleiner Colmado um die Ecke übrig, dessen Besitzer
auch schon dabei war, sein Geschäft vor aufziehenden Autoreifen-Rauchschwaden
und Tränengas-Bomben zu verbarrikadieren. Allerdings findet man in besagten
Colmados leider auch, abgesehen von Brot und Käse, nicht vieles, was ungekocht
genießbar ist.
Daheim musste ich dann feststellen, dass das Internet immer noch nicht wieder
in Gang gesetzt wurde. Mir stand nun also
ein ganzer freier Nachmittag und Abend bevor – meine Optionen: lesen, lesen, lesen, Musik
hören, schlafen, und Post schreiben.
– Ja, sehr idyllisch! :D
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Ansonsten war der letzte Monat aber doch relativ
ereignisreich. Neben vielen Treffen, Motto:
„Arbeitsplanung für die Sommermonate“ (da Schulferien = Sonderprogramm
für die Kids) und Unibewerbungen, gab es doch auch 2 Ausflüge an den Strand,
zum einen der Betriebsausflug der Oficina Técnica (also die für uns zuständige
Organisation) in mein geliebtes Las Terrenas und zum anderen nach Montecristi,
zusätzlich zu der Besichtigung eines Hauses, das gänzlich aus Plastikflaschen
und Zement gebaut ist; beide Ausflüge waren schön und interessant, wenn auch
anstrengend, da viele Dominikaner über viele Stunden in einem Fahrzeug mit
Musik … naja, es hat mich von der Lautstärke und Ausgelassenheit her an meine
Abifahrt erinnert. :D
Daneben fand dieses Jahr die 15. Internationale Buchmesse in
Santo Domingo statt. Ich hatte das Glück, diese zweimal innerhalb organisierter
Ausflüge besuchen zu dürfen. Um ehrlich zu sein, hat es mich riesig gefreut, so
viele Dominikaner auf einem Fleck zu sehen, die sich alle für Bücher
interessieren und davon auch Ahnung haben, da die meisten aus meinem täglichen
Umfeld Lesen nicht unbedingt als ihr Hobby bezeichnen würden.
Das Wochenende in der Hauptstadt, welches wir noch daran gehängt haben,
verbrachte ich dann damit, meine ersten eigenen Mangos frisch vom Baum zu
prügeln (richtig genial! :-)) und mir erstmalig hier einen Film (sogar in 3D)
im Kino anzusehen – witziger weise auf Englisch
und nur mit spanischem Untertitel, was meinen Begleiter so gar nicht
erfreute. :D
Außerdem steht jetzt diesen Sonntag die heißersehnte
Präsidentschaftswahl an. Sogar ich wurde schon ganz ernsthaft von meinen
Schülern gefragt: „Lisa, wählst du Hipólito oder Danilo?“ (Die Kandidaten der
beiden einflussreichsten Parteien des Landes, welche aber lustiger weise nur
mit ihren Vornamen den Wahlkampf führen).
Diese Wahl wird noch aufmerksamer verfolgt, wird noch spannender und hitziger
als die vorhergehenden, da das Volk nach einem Wandel (verständlich aufgrund
der aktuellen Lage der Republik) verlangt, der ihm zwar von den Kandidaten
versprochen wird, bei dem es aber auch fast schon sicher ist, dass er, falls er
kommt, nicht für alle ist. Da jeder Präsident natürlich nur die eigenen
Parteimitglieder in seinen Ämtern sehen will und somit alle
staatlich-Beschäftigten ausgetauscht werden, sollte die Oppositionspartei an
die Macht kommen. So bekommen zwar viele einen Arbeitsplatz, andere verlieren
ihn dafür – wo da das „bessere Land – aber für alle!“ (so sprechen hier die
Wahlkampfplakate) sein soll ist mir noch rätselhaft.
Aber naja, ich bin gespannt, angeblich soll ziemlich viel
Geld fließen, viel diskutiert werden (wer gewinnt oder schon gewonnen hat), es
gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Anhängern geben
und nach der Ergebnisverkündung ist für mindestens 3 Tage am Stück Party
angesagt.
Meine erste Bekanntschaft mit dem „Stimmenkauf“ hatte ich auch
schon. Als ich neulich mit einem Kumpel auf ein Bier an der Tankstelle (der
soziale Treffpunkt) saß, bekamen wir mit, wie einige hohe Parteimitglieder
kistenweise Bier abtransportierten und kurz darauf mit leeren Autos wieder
zurückkamen und Nachschub holten. Das Bier war nämlich keineswegs für
irgendeine Geburtstagsfeier gedacht, sondern eher für eine offene
Partei-Versammlung, der sich dann auch „interessierte Außenstehende“
anschließen konnten und/um dann kostenlos mittrinken zu dürfen; natürlich alles
in der Hoffnung auf zusätzliche Stimmen.
So, im Endeffekt, war es das auch schon wieder aus meinem
„Karibikurlaub“.
Also dann bis zum nächsten Abenteuer vom Traumziel „Südsee“. ;-)
Also dann bis zum nächsten Abenteuer vom Traumziel „Südsee“. ;-)
Con mucho amor y cariño,
Lisa <3
Lisa <3
Noch ein kleiner Nachtrag – nein, ich haben diesen Post nicht von dem Arbeits-PC hochgeladen, sondern doch daheim, es kam nämlich glücklicherweise gerade das Internet wieder. Allerdings war der Tag trotzdem nicht ungemein prickelnd, da die huelga von gestern fortgesetzt wurde und ich deshalb schon wieder den ganzen Tag allein im Haus sitze…. Zu meiner Freude jetzt aber wieder online :-)
Sehr interessant, aber demnächst bitte ein bißchen kürzer!Und wieso Plastikflaschen-Zementhaus?
AntwortenLöschenVerbauen Sie ihren Müll, damit er nirgendwo
mehr rum liegt? Fänd ich gut!
Was geht es uns doch gut, in unserer west-
lichen Welt!!
Lies halt nur erst eine Haelfte, wenn es dir zu viel ist.
LöschenJa, genau das ist der Sinn: recycling...
Lisa
"aber bitte ein bisschen kürzer!"
LöschenWitzig!
mfg Matthias
Einen wahnsinns Einblick, den Du da gewährst! Hoch interessant!!
AntwortenLöschenAber, ist es in anderen Ländern, auch in Deutschland, nicht ebenso mit der Wahl-
Propaganda, Stimmenkauf wie Du Dich ausdrückst?! In Deutschland werden von den Parteien auch Parties geschmissen, um Wähler für sich zu gewinnen! Wo ist da der große Unterschied??
Woher beziehst Du dein Wissen? Sind Jene mit deiner Veröffentlichung einverstanden?
Hili
@Anonym 2: Wer soll denn da mit der Veröffentlichung einverstanden sein, es wird doch niemand explizit erwähnt, gar mit Namen, und Persönliches oder Problematisches beschrieben.
Löschen@Anonym 1: "bitte ein bisschen kürzer!" -> Witzig!
mfg Matthias