Dienstag, 15. Mai 2012

Karibikidylle


„Ein FSJ in der Dominikanischen Republik? – Klar, dann mal viel Spaß im Urlaub!“

Tja, die typische Vorstellung von Karibikidylle.
– Wer hat(te) sie nicht?!

Das Bild von Sonne, von ins türkisfarbene Wasser reichenden Kokosnusspalmen, von weißem Sandstrand, von heißen latinos, die Merengue tanzen und von Rum im Überfluss – alles in allem das Paradies – ein Bild für die Götter.

Klar, das gibt’s hier schon auch, aber leider halt nicht ausschließlich.  
Aber ich hoffe mal, dass ich euch bis jetzt zumindest schon einmal ein kleines bisschen auch die anderen Seiten der Insel zeigen konnte.

Und für diejenigen, die bis jetzt noch nicht ganz in der Wirklichkeit angekommen sind, folgende kleine „Urlaubs-“Geschichte:

Leider verfügt mein „Hotel Zuhause“ schon seit Donnerstag mal wieder über kein fließendes Wasser. Dieses sollte eigentlich täglich über die Rohrleitungen kommen, um die Zisternen auf den Dächern oder in den Hinterhöfen aufzufüllen. Scheinbar kam es aber schon länger nicht mehr, weshalb meine Geburtstagsdusche dann leider aus Eimern bestand. Ja, zumindest war noch ein klitzekleines bisschen Wasser in unserer Zisterne im Hinterhof übrig (leider aber nicht mehr allzu sauber).
 
In der Hoffnung, dass das Wasser doch jetzt eigentlich jeden Tag kommen müsste, verharrte ich das geschlagene Wochenende (ziemlich alleine, da meine Gastmutter Verwandte besuchen ist).
Sonntag war es dann auch schon so weit, dass mein Gastbruder Wasser kaufen musste, da das bisschen Regenwasser, welches wir auffangen konnten, nicht mehr wirklich ausreichte.
 
Ja, man lernt den Wert des Wassers neu zu definieren und bemerkt auch erst einmal wie viel Wasser man für was braucht, wenn man es eigenhändig schleppen darf. Zum Duschen, Waschen, Spülen, fürs Bad… und an warmes Wasser denke ich dabei schon gar nicht mehr; es reicht mir mittlerweile schon, wenn ich in meinem Duschwasser keine toten Fliegen, Kaulquappen, Holz oder undefinierbaren Matsch finde.

Samstag war eigentlich auch ein Ausflug in einen Wasserpark/Erlebnisschwimmbad in Santiago geplant (so als kleine Geburtstagsfeier), der dann aber nicht stattfand, aufgrund diverser personeller Ausfälle. Auch das angedachte Weggehen abends fiel aufgrund des Regens ins Wasser. Das Geburtstag-Feiern ist somit auf Unbestimmt verschoben.

Alles soweit noch nicht so dramatisch (ist man als abgehärtete Deutsch-Dominikanerin ;) ja schon gewohnt). Sonntag ging dann blöderweise auch noch das Internet flöten, scheinbar ist das ganze Netzwerk von claro (einer der Internet/Telefon-Gesellschaften) zusammengebrochen, da die gesamten Telefone in meinem Viertel nicht mehr funktionieren. Die Regelung des Ganzen ist noch nicht absehbar. Deswegen war es auch leicht umständlich, diesen Post hochzuladen (Laptop à USB-Stick à Arbeits-PC à Internet :-)).

Weiter geht’s. Da ich das Wochenende quasi alleine wohnte, musste ich mich also auch selbst verpflegen; leider ist das, gegeben der Situation, dass wir seit 8 Monaten keinen Kühlschrank besitzen, eine Gradwanderung, weil ich nie viel im Haus haben kann. Wenn es nicht der Combo Hitze-hohe Luftfeuchtigkeit erliegt, dann spätestens den zahlreichen Ameisen, Kakerlaken oder (seit neustem) auch unserer Haus-Maus (welche leider scheinbar nicht so auf Rattengift steht). Doch hätte ich immerhin Sonntagabend noch ein Paar Rühreier hinbekommen, wenn mir nicht auf halbem Weg das Gas ausgegangen wäre, und es war leider schon zu spät neues zu besorgen. Also eben dann doch hungrig ins Bett.

Montag früh: ich wollte nach der Arbeit eigentlich Essen und Gas einkaufen – jaa, leider nicht.
Die Ansage war (wie so oft in letzter Zeit): Huelga! 
(„Geh also so schnell wie möglich nach Hause, Lisa, und da dann auch bitte den ganzen Tag nicht mehr raus.“)
 
Und da die Supermärkte, die auf meinem Heimweg lagen, auch schon geschlossen hatten, blieb mir nur ein kleiner Colmado um die Ecke übrig, dessen Besitzer auch schon dabei war, sein Geschäft vor aufziehenden Autoreifen-Rauchschwaden und Tränengas-Bomben zu verbarrikadieren. Allerdings findet man in besagten Colmados leider auch, abgesehen von Brot und Käse, nicht vieles, was ungekocht genießbar ist.
 
Daheim musste ich dann feststellen, dass das Internet immer noch nicht wieder in Gang gesetzt wurde. Mir stand nun also  ein ganzer freier Nachmittag und Abend bevor –  meine Optionen: lesen, lesen, lesen, Musik hören, schlafen, und Post schreiben.  

– Ja, sehr idyllisch! :D

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Ansonsten war der letzte Monat aber doch relativ ereignisreich. Neben vielen Treffen, Motto:  „Arbeitsplanung für die Sommermonate“ (da Schulferien = Sonderprogramm für die Kids) und Unibewerbungen, gab es doch auch 2 Ausflüge an den Strand, zum einen der Betriebsausflug der Oficina Técnica (also die für uns zuständige Organisation) in mein geliebtes Las Terrenas und zum anderen nach Montecristi, zusätzlich zu der Besichtigung eines Hauses, das gänzlich aus Plastikflaschen und Zement gebaut ist; beide Ausflüge waren schön und interessant, wenn auch anstrengend, da viele Dominikaner über viele Stunden in einem Fahrzeug mit Musik … naja, es hat mich von der Lautstärke und Ausgelassenheit her an meine Abifahrt erinnert. :D

Daneben fand dieses Jahr die 15. Internationale Buchmesse in Santo Domingo statt. Ich hatte das Glück, diese zweimal innerhalb organisierter Ausflüge besuchen zu dürfen. Um ehrlich zu sein, hat es mich riesig gefreut, so viele Dominikaner auf einem Fleck zu sehen, die sich alle für Bücher interessieren und davon auch Ahnung haben, da die meisten aus meinem täglichen Umfeld Lesen nicht unbedingt als ihr Hobby bezeichnen würden.
 
Das Wochenende in der Hauptstadt, welches wir noch daran gehängt haben, verbrachte ich dann damit, meine ersten eigenen Mangos frisch vom Baum zu prügeln (richtig genial! :-)) und mir erstmalig hier einen Film (sogar in 3D) im Kino anzusehen – witziger weise auf Englisch  und nur mit spanischem Untertitel, was meinen Begleiter so gar nicht erfreute. :D

Außerdem steht jetzt diesen Sonntag die heißersehnte Präsidentschaftswahl an. Sogar ich wurde schon ganz ernsthaft von meinen Schülern gefragt: „Lisa, wählst du Hipólito oder Danilo?“ (Die Kandidaten der beiden einflussreichsten Parteien des Landes, welche aber lustiger weise nur mit ihren Vornamen den Wahlkampf führen).
 
Diese Wahl wird noch aufmerksamer verfolgt, wird noch spannender und hitziger als die vorhergehenden, da das Volk nach einem Wandel (verständlich aufgrund der aktuellen Lage der Republik) verlangt, der ihm zwar von den Kandidaten versprochen wird, bei dem es aber auch fast schon sicher ist, dass er, falls er kommt, nicht für alle ist. Da jeder Präsident natürlich nur die eigenen Parteimitglieder in seinen Ämtern sehen will und somit alle staatlich-Beschäftigten ausgetauscht werden, sollte die Oppositionspartei an die Macht kommen. So bekommen zwar viele einen Arbeitsplatz, andere verlieren ihn dafür – wo da das „bessere Land – aber für alle!“ (so sprechen hier die Wahlkampfplakate) sein soll ist mir noch rätselhaft.

Aber naja, ich bin gespannt, angeblich soll ziemlich viel Geld fließen, viel diskutiert werden (wer gewinnt oder schon gewonnen hat), es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Anhängern geben und nach der Ergebnisverkündung ist für mindestens 3 Tage am Stück Party angesagt.

Meine erste Bekanntschaft mit dem „Stimmenkauf“ hatte ich auch schon. Als ich neulich mit einem Kumpel auf ein Bier an der Tankstelle (der soziale Treffpunkt) saß, bekamen wir mit, wie einige hohe Parteimitglieder kistenweise Bier abtransportierten und kurz darauf mit leeren Autos wieder zurückkamen und Nachschub holten. Das Bier war nämlich keineswegs für irgendeine Geburtstagsfeier gedacht, sondern eher für eine offene Partei-Versammlung, der sich dann auch „interessierte Außenstehende“ anschließen konnten und/um dann kostenlos mittrinken zu dürfen; natürlich alles in der Hoffnung auf zusätzliche Stimmen.

So, im Endeffekt, war es das auch schon wieder aus meinem „Karibikurlaub“.
Also dann bis zum nächsten Abenteuer vom Traumziel „Südsee“. ;-)
Con mucho amor y cariño,
Lisa <3  

Noch ein kleiner Nachtrag – nein, ich haben diesen Post nicht von dem Arbeits-PC hochgeladen, sondern doch daheim, es kam nämlich glücklicherweise gerade das Internet wieder. Allerdings war der Tag trotzdem nicht ungemein prickelnd, da die huelga von gestern fortgesetzt wurde und ich deshalb schon wieder den ganzen Tag allein im Haus sitze…. Zu meiner Freude jetzt aber wieder online :-)

5 Kommentare:

  1. Sehr interessant, aber demnächst bitte ein bißchen kürzer!Und wieso Plastikflaschen-Zementhaus?
    Verbauen Sie ihren Müll, damit er nirgendwo
    mehr rum liegt? Fänd ich gut!
    Was geht es uns doch gut, in unserer west-
    lichen Welt!!

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    1. Lies halt nur erst eine Haelfte, wenn es dir zu viel ist.
      Ja, genau das ist der Sinn: recycling...
      Lisa

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    2. "aber bitte ein bisschen kürzer!"

      Witzig!

      mfg Matthias

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  2. Einen wahnsinns Einblick, den Du da gewährst! Hoch interessant!!
    Aber, ist es in anderen Ländern, auch in Deutschland, nicht ebenso mit der Wahl-
    Propaganda, Stimmenkauf wie Du Dich ausdrückst?! In Deutschland werden von den Parteien auch Parties geschmissen, um Wähler für sich zu gewinnen! Wo ist da der große Unterschied??
    Woher beziehst Du dein Wissen? Sind Jene mit deiner Veröffentlichung einverstanden?
    Hili

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    1. @Anonym 2: Wer soll denn da mit der Veröffentlichung einverstanden sein, es wird doch niemand explizit erwähnt, gar mit Namen, und Persönliches oder Problematisches beschrieben.

      @Anonym 1: "bitte ein bisschen kürzer!" -> Witzig!

      mfg Matthias

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