Donnerstag, 2. Februar 2012

Y la tierra está temblando


Hey ihr Süßen da draußen, 

es wäre jetzt langweilig schon wieder damit anzufangen, mich für das lange nicht-posten zu entschuldigen, deswegen lasse ich es einfach :-) ihr habt euch mit Sicherheit eh schon dran gewöhnt zu warten – außerdem will ich euch ja ein bisschen dominikanische Mentalität näherbringen. ;-)

Wenn der Kerl, der den Pool reinigen wollte nach einem Monat immer noch nicht da war, naja, nicht so schlimm; wenn er dann doch irgendwann mal vorbeischaut à „yeah Poolparty!“ – So läuft das! :-)

Es gibt viel zu erzählen, war ja eine lange Zeit und es ist so einiges los gewesen, aber ich versuch es trotzdem in erträglicher Länge zu halten. (Ich hoffe, damit hab ich alle, die aus Angst vor Überlänge fast schon wieder aufhören wollten, doch noch einmal zum weiterlesen ermutigt :-))
Um chronologisch zu bleiben, beginne ich mal mit Weihnachten. Wie ihr ja schon vermutlich mitbekommen habt, fiel es mir ein bisschen schwer dafür in Stimmung zu kommen.

Das hat sich natürlich schlagartig am 24. geändert, als ich liebenswürdig um 5Uhr früh (!!) von ohrenbetäubender Musik (mit einem Bass, der das Würzburger Airport vor Neid erblassen lassen würde) und folgender Durchsage geweckt wurde: „Bevölkerung von Salcedo, steht auf, geht in die Kirche, feiert den Tag des Herren“ – ja, ich mein, als ob das irgendjemand nicht machen würde, aber muss das denn bitte schon soo früh anfangen?!  

Auch hier wieder ein gutes Beispiel für die dominikanische Gelassenheit. Hier käme keiner auf die Idee, sich darüber zu beschweren. Sei es jetzt laute Musik, Hundegekläffe, schlagende Autotüren, lautes Reden, etc. – egal zu welcher Uhrzeit, es wird einfach hingenommen und mehr oder minder ignoriert. Ich habe echt selten jemanden sich beschweren sehen, vielleicht mal wenn sie denken, dass man ihnen etwas überteuert verkaufen will.

Aber naja, zurück zum Thema, anstatt weiterzuschlafen, nachdem das Auto (ja, diese Ohrenvergewaltigung wurde nur von einem kleinen Auto verursacht) weggezockelt ist, bin ich doch aufgestanden, da Gottesdienst eh in unserem Tagesablauf integriert war.

Alles in allem verlief der Tag aber dann richtig weihnachtlich, mit viel Essen kochen und dekorieren und lachen und tanzen und ganz viel Vorfreude auf das Weihnachtsabendessen. Dieses war dann leider ein bisschen enttäuschend, weil mir im Voraus ein lustiges stundenlanges Beisammensein mit viel Tanz und Trank versprochen wurde, im Endeffekt hat es dann eine knappe halbe  Stunde gedauert und alle Gäste (unsere Nachbarn) waren wieder weg. Lag aber vermutlich daran, dass wir ein ziemlich zusammengewürfelter Haufen waren und uns nicht wirklich kannten.

Am 1. Weihnachtsfeiertag bin ich dann mit ein paar Freunden auch tanzen gegangen, so wie das hier um diese Zeit rum üblich ist. Und naja, einen Tag später ging auch schon die erste kleine, große Reise los.

Unser Samaná-Urlaub – ohne große Worte, einfach nur genial! :-)

Samaná ist eine kleine Halbinsel im Nordosten und mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Salcedo aus ca. in 3h zu erreichen. Und sie heißt nicht um sonst „das Paradies auf Erden“! Sie hat ungefähr 4größere Städte, die wir (wie üblich wir Freiwillige) uns in den 8Tagen bereist haben. So führte unser Weg über kleine traumhafte Strandbuchten mit überhängenden Palmen, puderzuckerweißem Sand und kristallblauem Wasser, in Tropfsteinhöhlen mit Taino-Gemälden (die Tainos waren die Ureinwohner der Insel, sie wurden durch Kolumbus versklavt und ausgelöscht), auf Pferden mitten durch den tropischen „Dschungel“, Felsabhänge hinunter, durch knietiefen Matsch zu einem atemberaubendem Wasserfall und schlussendlich an Silvester zu goldgelbem weitem Strand und Strandbars bis nachts um 6. :-)

Leider ging es dann schon wieder viel zu schnell zurück, denn es war eine Aufforstungsaktion in der schon wohlbekannten Reserva Ciéntifica Salcedoa geplant. Naja, die ist dann im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Aufgrund der unglaublich widrigen Bedingung (Nebel, Regen und 18°C - jaaa, das will ohne Heizung mit nassen Klamotten in zugigen Räumen schon was heißen) sind wir nach nur einer Nacht wieder nach Salcedo zurück. Zusammengefasst kann man sagen, dass ich mich noch nie so eklig gefühlt habe; heißer Schlamm mag ja als Kur ganz hilfreich sein, aber kalter, der einem permanent bis zu den Knien steht und es außerdem unglaublich schwierig macht, Berge rauf- und auch wieder runterzukommen, naja, ich weiß ja nicht … :D

Die weiteren Wochenenden verbrachte ich dann auch wieder ziemlich nah am Wasser – zum einen kochten wir am Fluss von Ojo de Agua (und bekamen außerdem super Einführung in die dominikanische Früchtewelt) und zum anderen bin ich mit einem Freund noch zu einem anderen Fluss gelaufen. Vom Matschgrad her war es vergleichbar mit unserer Aufforstungsaktion, nur war es dieses Mal die Mühe echt wert! Ein Mal mehr richtig unberührte Natur gesehen, einen Wasserfall runtergesprungen und eine 90° rutschige Felswand ohne Sicherung und alles hochgeklettert.

Ja, nicht nur im Straßenverkehr (ohne Helm/Gurt und unter Missachtung aller denkbaren Verkehrsregeln) sind die Dominikaner die äußersten Sicherheitsfans; nein, auch lange Wanderungen durch die Natur werden unter beschriebenen Umständen unternommen und zwar in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Was ihnen an Sicherheitsbedürfnis mangelt machen sie aber eindeutig mit Einschätzungsvermögen wett – glaube NIEMALS einem Dominikaner, wenn er sagt, „ach, das geht schnell, der Fluss ist nur eine Stunde zu Fuß weg“ entfernt. Dann sind es meistens 2h anstrengender Fußmarsch über Stock und Stein. Andererseits Entfernungen in der Stadt, die „uunends groß, das kann man nicht laufen“ sind, stellen sich meistens relativ kurz heraus. Dieser Dominikaner kann es nämlich schon genau einschätzen, wollte einem aber nur ein Taxi andrehen.

Das nächste Wochenende habe ich mich mit Tobias getroffen, der nach seinem halben Jahr in Québec seinen Urlaub hier verbrachte. Und da ich immer noch nicht genug von Wasserfällen hatte, bezwangen wir die berühmten 27Saltos de Damajagua – ok, nicht alle, sondern nur 7, aber die sind wir dafür dann auch hochgeklettert und nicht, wie normal, nur runtergesprungen. :-) Abgesehen davon waren wir natürlich (wer hätte es anders vermutet) noch am Strand, haben uns Puerto Plata und Ressorts von innen angeschaut und genossen, vor allem ich, das große Angebot der großen Supermarktkette Sirena – es lebe das Baguette (das einzige, was der deutschen Brotwelt annäherungsweise nahe kommt – jaa, mir fehlt Schwarzbrot!).

So, bevor ich mit meinem „Reisebericht“ fortfahre… ihr habt euch bestimmt schon über den Titel dieses Posts gewundert.

Y la tierra está temblando – und die Erde bebt … da ich nicht weiß, wie viel und ob es überhaupt bis nach Deutschland vorgedrungen ist, hab ich mir gedacht, ich erwähne es doch einmal in meinem Blog. Wir hatten in den letzten 3Wochen ungefähr 8Beben hier in der Dominikanischen Republik. Es waren aber zum Glück nur kleinere (also bis max. 5,8) und es ist nichts dabei zu Schaden gekommen. Allerdings steht, laut einiger Forscher, vor einer jahrzehntelangen Unruhephase mit Beben, die auch stärker sein können als das von Haiti vor 2Jahren. Ja, aber eben nur können, da man es ja nicht vorhersagen kann, wann, ob und wie stark ein Beben kommt. Wir in der Schule haben also begonnen Katastrophenmaßnahmen den Kindern verständlich beizubringen. 

An sich sollte es ja bekannt sein, was zu tun ist, wenn es ein Erdbeben gibt, vor allem in einem Land, das direkt auf einer Plattengrenze liegt, allerdings wissen viele, (und das Schlimme) vor allem in öffentlichen Einrichtungen wie Krankenhäusern, Kaufhäusern, etc., nicht wie sie damit umzugehen haben. Es fehlt einfach an der Aufklärung und zusätzlich an Fluchtausgangbeschilderung.  

Naja, aber so viel dazu – das letzte Wochenende war ich wieder unterwegs, da es sich angeboten hatte, weil der Montag ein Feiertag war – oder besser gesagt zum Feiertag gemacht wurde. Eigentlich wäre nämlich Freitag der Feiertag (Geburtstag von Juan Pablo Duarte, dem Republikgründer), da aber Freitag ja eh irgendwie schon zum Wochenende gehört, hat der Präsident einfach diesen Feiertag auf Montag umgelegt – tja, das nenn ich mal gechillt! :-)

Somit war ich dann mit Isol ihre Schwester in der Hauptstad besuchen, habe bemerkt, dass Familientreffen doch immer lustig, aber irgendwie auch anstrengend (da laut und chaotisch) sind, war im berühmten, sehr touristischen Boca Chica, habe mein erstes Baseballspiel von Anfang bis Ende gesehen (verstehe es leider trotzdem immer noch nicht), war im größten Shoppingcenter, das ich bis jetzt betreten habe, shoppen und habe ein Mal mehr bemerkt, wie krass der Preisunterschied zwischen Stadt und Land ist. Die Lebensmittelpreise sind eigentlich genau die gleichen wie in Deutschland und auch fürs Fitnessstudio zahlt man dort monatlich 40€ - da bin ich hier in Salcedo mit meinen 6€ doch ziemlich glücklich! :-)

Und das alles, obwohl ich eigentlich ziemlich tot war – ich habe mir nämlich vermutlich ein Bakterium eingefangen, im besten Fall auch nur den Magen verdorben, aber was auch immer, mir ging es auf jeden Fall ziemlich dreckig. Was mich dann aber wieder aufgebaut, gefreut, aber auch erstaunt hat, war die unendlich riesige, liebe Fürsorge meiner (erweiterten) Gastfamilie, die wirklich alles für mich gemacht hat und sich um mich gekümmert hat, wie eine weitere Tochter.
Hier in diesem Land mag ja einiges schief laufen, aber was wirklich steht ist die Familie; die hält hier nämlich zusammen wie Pech und Schwefel und alle unterstützen sich gegenseitig wo es nur geht, teilweise sogar finanziell, wenn es jemandem gerade nicht gut geht. Andererseits ist das natürlich auch eine Art Versicherung, man hilft seinen Verwandten, hat aber auch die Gewissheit, dass einem selbst dann geholfen wird, da es ja so etwas wie Hartz4 hier nicht gibt und man, wenn man keine Arbeit mehr hat, wirklich Probleme hat, sich über Wasser zu halten.

So, jetzt zum Schluss noch eine kleine Geschichte, von der ich nie gedacht hätte, dass es mir einmal passieren würde. Aber anscheinend reichen 5Monate im Land aus, um mich soweit zu dominikanisieren….

Ich habe eine blonde, große, hellhäutige, ziemlich europäisch aussehende Frau angestarrt!

Einfach nur, weil es soooo selten ist, dass sich Ausländer nach Salcedo verirren (normalerweise sind wir hier die einzigen Weißen). Ich kann also mittlerweile Dominikaner verstehen, wenn sie mich auf der Straße oder sonst wo anstarren; es ist einfach echt ungewöhnlich und selbst ich habe dann den Drang verspürt, sie zu fragen, woher sie denn kommt – habe es aber dann doch gelassen, weil ich ja weiß, wie es ist, dauernd von sooo vielen Leuten deswegen angeredet zu werden – kann ja teilweise schon ein bisschen nerven, vor allem wenn man mal nicht so gut drauf ist. Zufällig bekam ich dann mit, dass sie Dominikanerin ist. Tja, so viel zu vorurteilsfrei…

Muchos besos,
eure Lisa ♥

2 Kommentare:

  1. Hallo Lisa,
    wie immer interessant deinen Blog zu lesen! Er
    gibt Einblick in eine andere Welt, vor allem
    das humorvolle Schreiben von Dir gefällt mir gut!!
    Hili

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  2. Einfach toll, wie Du schreibst! Das für und wider, das Lustige und
    auch weniger Schöne, sodass ich mir meine Meinung selbst bilden
    kann, ohne vorbelastet zu sein! Auch, dass Du ohne Herabwürdigung
    und Diskriminierung schreibst, find ich total klasse!!!

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